Warum wir das Gefühl des Todes beseitigt haben

Wir jagen einer irdischen Ewigkeit nach, die es nicht gibt. Doch nur der Tod lehrt uns, unser Leben nicht zu vergeuden.

Ablehnung des Todes
Über den Tod zu sprechen ist nicht einfach. Er ist beängstigend, wir wollen ihn nie nah spüren, er ist mit traurigen, depressiven Gedanken und dem Schmerz des Lebens verbunden. Und doch. Tod Es ist ein untrennbarer Bestandteil des Lebens: Wie Schmerz und Freude sind Leben und Tod untrennbar miteinander verbunden. Schon jetzt auf Erden. Gläubige haben den Vorteil, an die Ewigkeit zu glauben, wo wir uns alle wiedersehen werden.

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WARUM HABEN WIR DEN TOD ENTFERNT?

Das Geheimnis des Todes, das Jenseits des Jenseits, hat, gemäß der außergewöhnlichen Definition des Dichters und Philosophen Guido Ceronetti, die Menschheit seit jeher fasziniert. Es durchdringt nicht nur religiöse Schriften, sondern auch Philosophie, Literatur, Musik und bildende Kunst. Über den Tod wurde stets schamlos gesprochen. Sokrates ging sogar so weit zu behaupten, dass es für Philosophen keine andere Sorge gäbe als die des Todes und des Sterbens.

Ablehnung des Todes

Mit der Moderne, die zweifellos die Lebenserwartung verlängert hat, mit Fortschritten in Medizin und Technologie und dem fast schon obsessiven Streben nach einem „längeren und besseren Leben“, ist Raum für die Verdrängung des Todes entstanden. Ihn nicht sehen zu wollen, ihn beinahe zu ignorieren. Der Tod ist zum Synonym für traurige Gedanken und Schmerz geworden. LeidenWarum also überhaupt darüber nachdenken? Und sich stattdessen auf die Möglichkeit konzentrieren, immer länger zu leben?

TOD UND DER SINN DES LEBENS

Den Tod zu entfernen ist eine große Verschwendung.Sehr riskant, wenn man mal darüber nachdenkt. Aus dem einfachen Grund, dass «Nur der Tod lehrt uns, unser Leben nicht zu vergeuden.(Salvatore Natoli). Nur die Vorstellung vom Tod, vom Jenseits, treibt uns an, unserem Alltag Spuren zu hinterlassen, nicht bloß flüchtig und unsichtbar zu sein. Das Profil eines Lebens zu zeichnen, das nicht leer, steril, ein Selbstzweck ist. Und selbst nutzlos, also vergeudet.

Wir haben den Tod zu einem medizinischen Problem degradiert, weil eine grassierende Narzissmus, verbunden mit einer Vorstellung von Wohlbefinden, die an das sinnlose und unrealistische Streben nach (Halb-)Unsterblichkeit grenzt, führt uns dazu, das Lebensende beinahe als ein unerwartetes Ereignis zu betrachten. Wo das Gegenteil der Fall ist: Leben und Tod sind zwei Geheimnisse, die miteinander verwoben sind.Wir sind nicht länger in der Lage, den Tod, unabhängig von unseren religiösen Überzeugungen, als Teil des Lebens zu betrachten. Und so verbannen wir die Gedanken an das Danach aus unseren oft verzweifelt sterilen und leeren Vorstellungen.

DAS GEHEIMNIS DES TODES

Ich empfehle die Lektüre dieser beiden kürzlich erschienenen Bücher. Sie sind zwar sehr unterschiedlich, ähneln sich aber in ihrer Herangehensweise, da sie beide mit der Analyse der menschlichen Spiritualität verbunden sind, die wir wiederentdecken müssen. Monsignore Vincenzo Paglia hat einen hervorragenden, ja ergreifenden Text mit dem Titel „…“ verfasst. Schwester Tod, Würde des Lebens und Sterbens (Mondadori-Ausgaben), während Kardinal Camillo Ruini veröffentlichte Gibt es ein Leben nach dem Tod? Tod und Hoffnung (auch dieser Mondadori).

Paglia und Ruini, zwei Charaktere, die sich in ihren Profilen so stark unterscheiden, in mancher Hinsicht sogar Gegensätze darstellen, finden zusammen, um Antworten auf jene Fragen zu finden, die wir uns nicht erst stellen sollten, wenn wir glauben, am Ende unserer Reise angekommen zu sein. Fragen, die Zeit brauchen. ReflexionZuhören, langes, unkonzentriertes Nachdenken. Die Eckpfeiler eines wahrhaft gelebten und nicht vergeudeten Lebens.

TOD UND GEFÜHL FÜR GRENZEN

Bereits zur Zeit der Griechen, lange vor dem Aufkommen des Christentums, das das Thema des Glaubens an die Auferstehung und damit an das ewige Leben auf den Tisch brachte, war die Bedeutung von Tod (Thanatos), im Gegensatz zur sinnlichen Energie des Lebens (Eros) Es war ein wirksames Gegenmittel, im Laufe des eigenen irdischen Lebens die eigenen Grenzen zu erkennen. Und nicht in diese Grenzen zu verfallen.'HybrisArroganz, skrupellose Maßlosigkeit, die jedes Naturgesetz missachtet, die Leugnung jeglichen Grenzenbewusstseins. All dies galt den Griechen vor den Christen als Herausforderung der Götter und als die schlimmste Sünde des Menschen.

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