Siebzehn EU-Länder haben Pfandsysteme eingeführt – mit hervorragenden Ergebnissen. Italien fehlt leider. Dank dieses Pfandsystems sparen Verbraucher Geld und haben weniger Entsorgungsaufwand, während die öffentliche Verwaltung gleich doppelt profitiert: weniger Abfall und geringere Kosten für Sammlung und Entsorgung. Schätzungen zufolge gehen in Italien trotz der vielgerühmten Recyclingzahlen über acht Milliarden Plastik-, Glas- und Metallbehälter in der Umwelt verloren oder landen in Müllverbrennungsanlagen und auf Deponien. Das kostet den Staatshaushalt jährlich rund 100 Millionen Euro. Dieses Geld und dieser Aufwand ließen sich durch Pfandsysteme einsparen.
Bis in die 1980er-Jahre war Italien in diesem Verfahren, bei dem leere Flaschen und Behälter zur Wiederverwendung zurückgegeben und anschließend nach und nach entsorgt wurden, führend. Die Gründe dafür sind offenbar nicht ganz klar, aber in Wirklichkeit setzten sich bestimmte Interessengruppen durch. Die Kunststofflobby, aber nicht nur sie. Supermärkte waren und sind ausnahmslos gegen Mehrwegbehälter und beklagen die logistischen Kosten für den Aufbau einer Sammelinfrastruktur in ihren Verkaufsräumen. Und dann ist da noch die Lobby der Recyclingkonsortien, allen voran Coripet, das PET verarbeitet – und das mit sehr mäßigen Ergebnissen.
Das Pfandsystem für Flaschen ist ganz einfach: Der Kunde kauft beispielsweise ein Erfrischungsgetränk und zahlt ein paar Cent Pfand. Ist die Flasche leer, gibt er sie beim Verkäufer zurück, der ihm das Pfand zurückerstattet, manchmal sogar mit einem kleinen Bonus. Um die Nutzung des Pfandsystems zu fördern, ist das Pfand in manchen Ländern sehr hoch. So auch in den Niederlanden: Dort zahlt man 25 Cent Pfand für eine Flasche Mineralwasser (fast die Hälfte des Marktpreises), die verfallen, wenn die Flasche nicht zurückgegeben wird.
Warum sind wir so große Befürworter von Mehrwegverpackungen? Wegen der offensichtlichen Vorteile. Mindestens drei. Erstens reduziert die Wiederverwendung automatisch den Abfall, und zwar erheblich. In Deutschland, Wo Mehrwegbehälter sehr beliebt sind und es sogar Automaten zum Ein- und Auszahlen von Pfand gibt, konnte die Abfallmenge bei Glas um 96 Prozent und bei Plastik um 80 Prozent reduziert werden. Zweiter Vorteil: Mehrwegbehälter sind ein kleiner, aber wichtiger Faktor für die Abfallvermeidung.KreislaufwirtschaftDies könnte ein Symbol dafür sein. Es bedeutet, weniger Rohstoffe, weniger Energie und weniger Wasser zu verbrauchen. Gleichzeitig stellt es einen Anreiz für einen Paradigmenwechsel im Materialverbrauch dar. In nordeuropäischen Ländern wie Dänemark und Norwegen sind Mehrwegbehälter für verschiedene Behälterkategorien Pflicht und machen über 70 Prozent des Getränkebehältermarktes aus. Recycling ist nach ordnungsgemäßer Abfalltrennung zwar sicherlich sinnvoll und wichtig, doch die Wiederverwendung bietet einen Vorteil, der sich schneller bemerkbar macht: Es entsteht weniger Abfall, wodurch Entsorgungsprobleme reduziert werden.
Die Folge der bedauerlichen Abschaffung des in 13 Ländern der Europäischen Union geltenden Mehrwegsystems ist, dass in Italien jährlich 7,3 Milliarden PET-Behälter verschwendet werden (119 pro Kopf) und das Recycling dieses umweltschädlichen Materials bei 47 Prozent liegt, also nur halb so hoch wie in Deutschland (98 Prozent) und anderen nordeuropäischen Ländern, in denen das Mehrwegsystem gängige Praxis ist.
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