Sie wurden beinahe zufällig bei Wartungsarbeiten entdeckt. Giò und Giulia sind ein Wanderfalkenpaar, das auf dem Dach des Pirelli-Wolkenkratzers, dem berühmten „Pirellone“ in Mailand, lebt und nistet. Ihre Namen wurden zu Ehren von Gio Ponti, dem Architekten des Wolkenkratzers, und seiner Frau Giulia Vimercati gewählt. Wanderfalken sind bekannt dafür, im Sturzflug die schnellsten Tiere der Welt zu sein und Geschwindigkeiten von über 300 km/h zu erreichen. Der rund 125 Meter hohe Pirellone bietet ihnen einen idealen Jagdplatz, insbesondere für die Jagd auf Tauben und Stare, hoch über der Stadt.
Gio und Giulia haben einen sehr arbeitsreichen Tag. Vormittags und am späten Nachmittag jagen sie am eifrigsten. Sie fliegen über Mailand und nutzen die Luftströmungen, um das Gebiet abzusuchen. Dabei beobachten sie vor allem Tauben und andere Stadtvögel: Sobald sie einen im Visier haben, stürzen sie sich blitzschnell herab, um ihn aus der Luft zu fangen.
Mittags sind sie jedoch meist ruhiger. Oft bleibt einer der beiden Vögel in der Nähe des Nestes, um es zu bewachen, während der andere fliegt oder auf hohen Strukturen des Wolkenkratzers sitzt. In dieser Zeit widmen sie sich auch der Gefiederpflege, einem unerlässlichen Vorgang, um ihr Gefieder in optimalem Zustand zu halten.
Wenn Eier oder Küken vorhanden sind, dreht sich ein Großteil des Tages um deren Pflege: Brüten, Schutz vor Sonne und Wind sowie Füttern der Küken mit erbeuteter Beute.
Der Abend bringt eine weitere Aktivitätsphase: Sie begeben sich möglicherweise auf weitere Jagdausflüge oder kehren einfach zum Nest zurück, um sich gemeinsam auszuruhen, oft nebeneinander, bereit, am nächsten Tag das gleiche Muster zu wiederholen.
Es gibt drei Hauptgründe, warum sie dauerhaft auf dem Pirelli-Turm verbleiben:
1. Nahrung ist reichlich vorhanden und leicht zu jagen.
Mailand bietet ein reichhaltiges Beuteangebot, insbesondere Tauben und Stare. Für einen Greifvogel wie den Wanderfalken bedeutet dies einen „offenen Supermarkt“: Er muss nicht weit fliegen, um Nahrung zu finden.
2. Ein perfektes und sicheres Nest
Die Höhe des Wolkenkratzers ahmt die natürlichen Felswände nach, die Falken in den Bergen nutzen. Darüber hinaus ist das künstliche Nest auf dem Pirellone stabil, geschützt und für Raubtiere oder Störungen schwer zugänglich.
3. Eine zunehmend urbane Art
Der Wanderfalke zählt zu den Greifvögeln, die am besten an das Stadtleben angepasst sind. In vielen europäischen und italienischen Städten leben mittlerweile einige Paare ganzjährig: Sie ziehen nicht weg, weil sie das Klima als relativ stabil und die Nahrungsquellen als konstant empfinden.
In der Praxis hätte das Verlassen Mailands für Giò und Giulia keine Vorteile: Sie haben Nahrung, Sicherheit und einen perfekten Nistplatz, ohne sich den Risiken und der Unsicherheit der Migration aussetzen zu müssen.
Das Wanderfalkenpaar, das auf dem Pirelli-Wolkenkratzer lebt, wird von einem Kamerasystem überwacht, das auf dem Dach des Wolkenkratzers installiert ist, um ihr Nest und die Stadien des Nestbaus zu beobachten.
Diese Webcams werden in erster Linie für wissenschaftliche Zwecke und zum Schutz der Tiere eingesetzt: Sie ermöglichen es uns, das Verhalten der Falken zu studieren, die Eiablage, das Wachstum der Küken sowie Ereignisse wie Raubtiere oder Störungen zu überwachen, aber sie ermöglichen es uns auch, das Leben von Giò und Giulia von zu Hause aus zu verfolgen.
Foto entnommen von www.ilsudmilano.it
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