Warum sind Plätze in Studentenwohnheimen für die Kinder von … reserviert?

Von Mailand nach Neapel: Eine absurde Form von Vetternwirtschaft bei einem der drängendsten Probleme junger Menschen.

Olympisches Dorf 2

Italienischer Nepotismus, der Chancen für alle verschwendet, kennt keine Grenzen. Er betrifft auch die Studentenunterkünfte, eines der drängendsten Probleme junger Menschen, da in Italien weniger als fünf Prozent der Nachfrage an Unterkünften für auswärtige Studierende gedeckt werden. Und Vetternwirtschaft unter italienischen Studierenden kennt keine geografischen Grenzen, von Mailand bis Neapel.

Nach Jahren des Schweigens, mit europäischer Finanzierung durch die PNRR, also durch alle Bürger, und im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina, wird in Mailand endlich eine große Studentenresidenz gebaut. Das Olympische Dorf wird einfach abgerissen und in ein Studentenwohnheim mit 1.700 Betten umgewandelt. Die Preise sind vergünstigt und liegen bei etwa 600 € pro Monat.

Eine gute Idee, aber die Umsetzung ist problematisch. Die meisten Plätze – jeder fünfte – werden „rechtmäßig“ an Kinder von Akademikern vergeben: Ärzte, Anwälte, Unternehmensberater, Architekten und Ingenieure. Diese Diskriminierung wird damit gerechtfertigt, dass die Sozialversicherungsträger einiger dieser Berufsgruppen am Bau des Feriendorfes beteiligt waren. Tatsächlich handelte es sich aber lediglich um eine Investition, nicht um den Erwerb eines familienfreundlichen Privilegs. Eine Investition, die unter anderem durch Mieteinnahmen amortisiert wird.
Andererseits setzt sich in Italien seit einiger Zeit die Praxis durch, Studentenwohnheime für Kinder von Angehörigen bestimmter Berufsgruppen zu reservieren. In Neapel beispielsweise wurde, ebenfalls mit Mitteln des PNRR, ein ehemaliges INPS-Gebäude in ein Studentenwohnheim mit 541 Betten umgewandelt, die zu vergünstigten Preisen angeboten werden: 278 € für ein Einzelzimmer und 254 € für ein Doppelzimmer. Auch hier sind 55 Plätze für Kinder von Apothekern und Tierärzten reserviert, die von besonderen finanziellen Konditionen profitieren können.

Obwohl die Privilegien erweitert werden, bleibt Italien im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Studentenwohnheimen für Erstsemester weiterhin Schlusslicht: Nur 5 Prozent des Bedarfs können gedeckt werden, verglichen mit 13 Prozent in Deutschland, 16 Prozent in Frankreich und 30 Prozent in Großbritannien. Und wundert es uns dann noch, dass junge Italiener zum Studieren ins Ausland gehen und dort anschließend arbeiten?

Titelbild von www.lombardianotizie.online

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