Tinga wurde 1972 in Leeuwarden, Niederlande, geboren. Sie studierte Biologie an der Universität Leiden und arbeitete anschließend als Lehrerin. Anfang der 2000er-Jahre änderte sie jedoch ihr Leben: Sie kündigte ihren Job, durchquerte Marokko mit dem Fahrrad und einem Kitesurfer im Schlepptau und beschloss, Künstlerin zu werden. Später verband sie Kunst, Wissenschaft und Umweltaktivismus.
Die Idee zum „Plastic Soup Surfer“ entstand 2014. Als Surfer war Tinga schockiert über die Plastikmengen, die er an Stränden und im Meer sah. Als Biologe kannte er bereits die verheerenden Auswirkungen von Mikroplastik auf marine Ökosysteme und die Nahrungskette. Also baute er ein Surfbrett aus Plastikmüll, den er an Stränden gesammelt hatte, und reiste damit rund 350 km entlang der niederländischen und belgischen Küste, um auf das Problem der sogenannten „Plastiksuppe“ in den Ozeanen aufmerksam zu machen.
Dieses erste Unternehmen war erst der Anfang. In den folgenden Jahren organisierte er immer spektakulärere Expeditionen:
- Nordseeüberquerungen;
- lange SUP-Touren auf dem Rhein;
- Grenzübergänge zwischen Norwegen und dem Vereinigten Königreich;
- Feldzüge von London nach Paris und dann weiter nach Rom.
Seine Boards bestehen oft aus recyceltem Plastik oder werden im 3D-Druckverfahren aus wiederverwerteten Flaschen hergestellt. Die Expeditionen dienen als „Medienspektakel“: Sie ziehen Fernsehen, Zeitungen und Politiker an, doch dahinter verbirgt sich eine sehr gezielte Lobbyarbeit.
Seine bekannteste Kampagne betrifft das Pfandsystem für Flaschen und Dosen in den Niederlanden. Tinga sammelt über 55.000 Unterschriften und legt dem niederländischen Parlament einen Vorschlag zur drastischen Reduzierung von Plastikmüll vor. In den folgenden Jahren führt die Regierung, auch dank des durch sein Engagement erzeugten öffentlichen Drucks, das Pfandsystem zunächst für kleine Plastikflaschen (2021) und anschließend für Dosen (2023) ein.In den Niederlanden gilt dies als einer der wichtigsten Erfolge des bürgerschaftlichen Umweltaktivismus der letzten Jahre.
Eine der originellsten Strategien von Tinga ist der Einsatz juristischer Mittel gegen Unternehmen. Mithilfe von Gerichtsvollziehern stellt die Organisation den Führungskräften großer Unternehmen formelle Benachrichtigungen („gerichtliche Mitteilungen“) zu, die bestätigen, dass das Unternehmen über die durch seine Produkte verursachten Umweltschäden informiert wurde. In der Praxis erschwert dies Unternehmen die Behauptung, von den Schäden nichts gewusst zu haben.
Gemeinsam mit dem niederländischen Aktivisten Dirk Groot („Zwerfinator“) hat Tinga auch Citizen-Science-Kampagnen organisiert: Tausende von Freiwilligen fotografieren weggeworfenen Plastikmüll, um die umweltschädlichsten Produkte zu identifizieren. Diese Arbeit trug zum Rückzug vom niederländischen Markt bei:
- Plastikkonfetti,
- Plastikwasserbomben,
- einige Feuerwerkskörper enthalten Kunststoff,
- insbesondere umweltschädliche Verpackungen.
Die Bewegung Plastic Soup Surfer heute Es ist nicht mehr an eine einzelne Person gebunden: Es hat sich zu einer internationalen Organisation entwickelt, die Folgendes vereint:
- wissenschaftliche Forschung,
- öffentliche Kampagnen,
- Bürgerwissenschaft,
- politischer Druck,
- symbolische Seetransporte.
Tingas Stil ist interessant, weil er den für manche Umweltschützer typischen apokalyptischen Ton vermeidet. Stattdessen nutzt er eindrucksvolle Bilder, sportliche Leistungen und künstlerische Kreativität, um einen Konsens zu erzielen. In diesem Sinne ähnelt er einer Form des „narrativen Aktivismus“: Er verwandelt wissenschaftliche Daten und Umweltprobleme in Geschichten, die Medien und Öffentlichkeit emotional ansprechen.
Tinga hat außerdem mehrere Bücher geschrieben und war in Dokumentarfilmen von National Geographic zu sehen.
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