Francis Kéré, der afrikanische Architekt, der nach den Prinzipien der Natur entwirft

Ursprünglich aus Burkina Faso stammend, arbeitet sie auf der ganzen Welt und lässt sich dabei stets von lokalen und nachhaltigen Materialien inspirieren.

Screenshot 2026 05 08 um 12.25.11

Francis Kéré, 61, ist wohl die faszinierendste Persönlichkeit der heutigen Architekturszene. Geboren und aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt, hat er eine Architektur entwickelt, die er selbst als „naturnah“ bezeichnet. Respektvoll gegenüber Land, Kultur und Traditionen der lokalen Gemeinschaften (die in die Projekte eingebunden sind) und ausschließlich mit natürlichen Materialien arbeitend. 

Kéré wurde also vor allem aus folgenden Gründen zu einer internationalen Persönlichkeit:

  • Soziale und nachhaltige Architektur: verwendet verdichtete Erde, Lehm, Holz und natürliche Belüftung, um Gebäude zu schaffen, die für das afrikanische Klima geeignet sind, ohne auf teure Technologien angewiesen zu sein.
  • Einbeziehung der lokalen BevölkerungOftmals beteiligen sich die Bewohner direkt am Bau, erlernen dabei nützliche Fähigkeiten und senken die Kosten.
  • Ästhetische Qualität und InnovationSeine Projekte sind nicht nur „wirtschaftlich“, sondern auch elegant, innovativ und klimafreundlich.
  • Auswirkungen auf Bildung und ZivilgesellschaftViele seiner Werke sind Schulen, Bibliotheken, Gesundheitszentren und öffentliche Räume.

Das Projekt, das ihn berühmt gemacht hat, ist das Gando-Grundschule, seinem Heimatdorf in Burkina Faso. Das 2001 fertiggestellte Gebäude verwendet lokale Lehmziegel und ein Dach, das die Räume in der extremen Hitze der Sahelzone auf natürliche Weise kühlt. Für dieses Projekt wurde er 2004 mit dem Aga-Khan-Architekturpreis ausgezeichnet.

Im Jahr 2022 erhielt er den renommierten Pritzker-Architekturpreis, der oft als „Nobelpreis der Architektur“ bezeichnet wird. Er war der erste Architekt aus Burkina Faso, dem diese Ehre zuteilwurde.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen:

  • der Serpentine Pavilion 2017 in London;
  • das Parlament von Benin (Projekt);
  • Schulen und Gemeindezentren in mehreren afrikanischen Ländern;
  • Installationen und Pavillons in Europa und den Vereinigten Staaten.

Im Jahr 2026 wurde Kéré von National Geographic in die Liste der „33 Changemaker“ des Jahres aufgenommen, also in die Liste der Persönlichkeiten, die als die einflussreichsten Akteure im sozialen und kulturellen Wandel gelten. 

Ebenfalls im Jahr 2026 sorgte sein Buchprojekt „Francis Kéré: Building Stories“ für großes Aufsehen. Es konzentriert sich auf seine Idee der „Gemeinschaftsarchitektur“: Bauen gemeinsam mit den Bewohnern, unter Verwendung lokaler Materialien und nachhaltiger Klimatechniken. Kéré kuratierte zudem das Projekt für ein virtuelles UNESCO-Museum, das gestohlenen oder entwendeten Kunstwerken gewidmet ist. Die digitale Architektur des Museums entwarf Kéré und ließ sich dabei von der Form des afrikanischen Affenbrotbaums inspirieren. 

Quelle des Titelbildes: La Repubblica

Lesen Sie auch: 

Möchten Sie eine Auswahl unserer Nachrichten sehen?