Sassari-Konsortium: Wie Posidonia oceanica vom Abfall zu Dünger und Treibstoff wird

Auf Sardinien werden im Rahmen eines rein italienischen Projekts jährlich 20 Tonnen Abfall in neue Produkte umgewandelt.

Posidonia-Screening

Eine im gesamten Mittelmeerraum verbreitete Meerespflanze, die aus Abfall in neue Produkte, vorwiegend Dünger und Biokraftstoff, umgewandelt wird. Das Industriekonsortium Sassari bietet am Standort San Marco in Alghero im Süden Sardiniens verschiedene Dienstleistungen im Bereich Abfallmanagement und Kreislaufwirtschaft an. Vor Kurzem startete es ein Großprojekt zur Bergung angespülter Posidonia oceanica: eine Anlage mit einer Kapazität von 20 Tonnen pro Jahr.

Im Allgemeinen läuft der Prozess in folgenden Schritten ab:

1. Sammlung und Weiterleitung
Die an den Stränden angesammelte Posidonia oceanica wird von kommunalen oder Umweltdiensten eingesammelt und in die vom Konsortium verwalteten, dafür vorgesehenen Bereiche transportiert.

2. Lagerung und erste Trennung
Das Material verbleibt in Lagerbereichen, wo ein natürlicher Trocknungsprozess einsetzt. Diese Phase reduziert das Volumen und erleichtert die Trennung des Sandes.

3. Sieben und Gewinnung von Sand
Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist die Rückgewinnung des zwischen den Blättern und Rhizomen eingeschlossenen Sandes: Er wird gesiebt und dem Strandmanagementkreislauf wieder zugeführt, wodurch die Verschwendung von natürlichem Material reduziert wird.

4. Biomassebehandlung
Der Pflanzenanteil (die Posidonia selbst) kann sein:

  • getrocknet und stabilisiert
  • oder kontrollierten Kompostierungsprozessen zugeführt werden.

An diesem Punkt erreicht die Behandlung ihren letzten Schritt: die Transformation. Und der Abfall der Posidonia oceanica wird zu:

  • Natürlicher Dünger oder Bodenverbesserer (reich an organischer Substanz, hervorragend geeignet für den ökologischen Landbau).
  • Dach- oder Mulchmaterial in Gärten oder in der Landwirtschaft.
  • Grüner Brennstoff in einigen Biomasseanlagen, bei sachgemäßer Behandlung.

Während des Herstellungsprozesses werden auch 60 bis 70 Prozent des im Posidonia oceanica enthaltenen Sandes zurückgewonnen, der dann zum Schutz der Küsten wieder eingesetzt wird.
Der Nutzen ist zweifach: Zum einen wird dadurch der Abfall, der vom Meer und von den Stränden kommt, erheblich reduziert; zum anderen wird dieser Abfall, anstatt auf irgendeiner Mülldeponie zu landen, zur Herstellung neuer Produkte verwendet, die ebenfalls sehr umweltfreundlich sind.

Die große Menge an angespültem Posidonia oceanica an den Küsten ist größtenteils ein natürliches und saisonales Phänomen, das durch mangelhaftes Strandmanagement noch verstärkt wird.

Dies sind die Hauptgründe für die enormen Mengen an angespültem Posidonia oceanica-Abfall:

1. Natürlicher Kreislauf des posidonia
Posidonia oceanica wirft regelmäßig ihre älteren Blätter ab, besonders im Herbst und Winter. Diese Blätter brechen ab, werden von den Strömungen mitgerissen und landen schließlich an den Stränden.

2. Sturmfluten und Strömungen
Bei Winterstürmen „reißt“ das Meer große Mengen an Pflanzenmaterial vom Meeresboden auf und transportiert sie innerhalb von Stunden oder Tagen an die Küste.

3. Ökologische Funktion der „Sitzbänke“
Diese Ansammlungen sind nicht einfach nur Abfall: Sie bilden die sogenannten Bänke, die:

  • Sie schützen den Strand vor Erosion.
  • Sie halten den Sand
  • Sie beherbergen kleine Organismen.

Titelbild von https://algherolive.it

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