Luisa Cevese, eine Pionierin der nachhaltigen Mode. Sie kreiert seit den 80er Jahren Mode aus Stoffresten.

Als weltbekannte Designerin begann sie mit der Verwendung von Recyclingmaterialien, als nachhaltige Mode noch kein Thema war. Heute entwirft sie Taschen und Accessoires aus Seide, Lederresten, Fischernetzen, Teppichfragmenten, afrikanischen Stoffen und Kimonos. Und aus alltäglichen Abfällen wie Zeitschriften.

Luisa Cevese Designerin

Sie begann viel früher. In den 1980er-Jahren, als fast niemand über nachhaltige Mode, Recycling, Wiederverwendung und Upcycling sprach. Und niemand war sich eines enormen Verschwendungspotenzials bewusst: 85 Prozent der verkauften Textilprodukte landen auf der Mülldeponie, und jedes Jahr werden rund 15 Millionen Tonnen Kleidung vernichtet.

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LUISA CEVESE DESIGNER

Luisa Cevese gilt als Pionierin des Recyclings und der umweltfreundlichen Mode: Seit über dreißig Jahren kreiert sie in ihrem Mailänder Designstudio elegante, raffinierte und minimalistische Accessoires aus Industrieabfällen, Textilresten und Polyurethan. Sie gehörte zu den Ersten, wenn nicht sogar zu den Ersten, die aus Garnresten einzigartige Objekte, vorwiegend Taschen, fertigten und begann bereits Anfang der 80er-Jahre mit diesem Material zu arbeiten, als Recycling nicht nur unmodern, sondern beinahe verpönt war.

„Ich hatte das Glück, schon als Kind zu lernen, nichts zu verschwenden“, sagt Cevese und fasst damit kurz ihre Gedanken zum Thema Recycling zusammen. „Mir wurde gesagt, ich solle das Licht ausschalten und gebrauchte Stoffreste nicht wegwerfen. Da wurde mir schnell klar, dass es viel einfacher wäre, eine nachhaltigere Welt zu schaffen, wenn jeder von uns jeden Tag kleine Dinge täte.“

LUISA CEVESE DESIGNER

LUISA CEVESE NACHHALTIGE MODE

Ihre Karriere als Designerin umweltfreundlicher Taschen begann 1984, als sie als Autodidaktin mit fundierten Kenntnissen der Handweberei und Textiltechniken damit begann, Stoffe für Schneiderei und Möbel zu entwerfen und diese an große Namen der Haute Couture wie Dolce & Gabbana, Romeo Gigli, Hermès und Chanel zu verkaufen.

Ihre frühen Experimente entsprangen einer Leidenschaft für ausrangierte Materialien, die sie auf kreative und unerwartete Weise kombinierte: Seide, Lederreste, Fischernetze von Istanbuler Märkten, Teppichfragmente, afrikanische Stoffe und Kimonos. All dies vermischte sie mit Kunststoff, vorwiegend Polyurethan. Das mag zunächst ungewöhnlich erscheinen, doch der gewählte Kunststoff ist sowohl in der Verarbeitung als auch in der Entsorgung völlig ungiftig und umweltfreundlich.

Was die Rohstoffe betrifft, so produziert die Textilindustrie in jeder Produktionsphase Abfälle – von feinen Webresten über Stoffkanten und Verschnitt bis hin zu Färbefehlern und sogar fehlerhaften Produkten. Der Großteil dieser Abfälle wird aus wirtschaftlichen Gründen auf Deponien und in Verbrennungsanlagen entsorgt. Dadurch können selbst hochwertige Stoffe zu äußerst wettbewerbsfähigen Preisen hergestellt werden. Und vor allem: ohne Abfall.

PRO CA.Nachhaltiges Design hängt von den Materialien ab. Dabei hat Recycling oberste Priorität.

LUISA CEVESE MILAN

Abfall wird so zum Rohmaterial für die Objekte von Luisa Cevese, die sie 1996 mit ihrer Marke Riedizioni gründete. Große Stücke unbrauchbarer und beschädigter Stoffe, Garne, Webkanten und Produktionsreste werden zu persönlichen Accessoires und Wohnaccessoires: Taschen, Federmäppchen, Clutches und Geschirr, die weltweit in Design- und Kunsthandwerksläden sowie in Museen und Galerien für zeitgenössische Kunst ausgestellt und verkauft werden.

2019 wurde sie zur Botschafterin des italienischen Designs in Los Angeles ernannt und stellte in der amerikanischen Stadt auch wertvolle Stücke aus ihren drei Kollektionen RIEDIZIONI, RIEDIZIONI SPECIALI und RIEDIZIONI PRINTS in einer Ausstellung aus, die, angefangen beim Titel, Luisas Philosophie verkörpert: „Ich liebe Abfall, die Arbeit mit Abfall – Luisa Cevese und das Projekt Riedizioni“. In ihren Ausstellungen präsentiert sie einzigartige und raffinierte Objekte, die aus ihrem kreativen Umgang mit Textilresten und Alltagsmaterialien wie Zeitschriften entstehen. Die Pionierin der nachhaltigen Mode ist stets kreativ und stellt beispielsweise das Carré-Projekt vor: Ausgehend von den Vintage-Schals ihrer Kundinnen und Kunden fertigt sie daraus große und kleine Taschen.

(Titelbild aus dem Arte Magazin // Bildnachweis: artemagazine.it )

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