Aus den Geschäften zurückgerufene Altkleider landen schließlich auf Mülldeponien in Afrika.

Die Entdeckung gelang der Nichtregierungsorganisation Changing Markets, die ein Jahr lang 21 Artikel bekannter Marken wie H&M, Zara und Nike überwachte.

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Große Modemarken, von Luxusmarken bis hin zu Fast Fashion, konkurrieren täglich um Nachhaltigkeitsauszeichnungen und betreiben unermüdliche Marketing- und Werbekampagnen rund um diese Richtlinien. Ein klassisches Beispiel ist die Möglichkeit für Kunden, gebrauchte Artikel beim Kauf neuer zurückzugeben. Dies bietet dem Unternehmen zwei Vorteile: Image und Umsatz. Es animiert Konsumenten zu Neukäufen, indem es sie in den Kampf gegen die Umweltverschmutzung einbindet: Jeder zurückgegebene Artikel entspricht einem Gutschein für einen kleinen Rabatt auf das neue Produkt und regt so zu weiteren, möglicherweise unnötigen Käufen an. Gleichzeitig können sich Unternehmen, die die Rückgabe gebrauchter Artikel anbieten, mit dem Label „nachhaltige Marke“ schmücken.

Doch eine gründliche Untersuchung vor Ort enthüllt eine ganz andere Wahrheit, die an eklatantes Greenwashing grenzt. Die Recherche begann mit einer einfachen Frage: Was geschieht mit gebrauchter Kleidung, die in den Filialen großer Modemarken abgegeben wird, um sie zurückzunehmen? Um dies zu beantworten, verfolgte die NGO Changing Markets Foundation fast ein Jahr lang (von August 2022 bis Juli 2023) den Weg von 21 gebrauchten Kleidungsstücken, darunter Mäntel, Daunenjacken, Röcke, Sweatshirts und mehr – alle in einwandfreiem Zustand, sogar mit Etiketten. Jedes Teil wurde mit einem Apple AirTag geortet , um jeden Schritt und seinen endgültigen Bestimmungsort nachzuverfolgen. Konkret testete die niederländische NGO die Rücknahmesysteme für gebrauchte Kleidung von zehn Marken: H&M, Zara, C&A, Primark, Nike, Boohoo, New Look, The North Face, Uniqlo und M&S in Filialen in Großbritannien, Frankreich, Belgien und Deutschland.

Das Cover von „The Shattered Myth“ (jpg1)
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Die Rücknahmeprogramme dieser Marken, die Konsumenten dazu anregen, ungenutzte Kleidung nicht anzuhäufen und stattdessen einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, haben sehr vielversprechende Slogans. So lautet der Slogan von C&A beispielsweise „Gib deiner Kleidung ein zweites Leben“, von H&M „Schließen wir den Kreislauf“ und von The North Face „Vervollständigen wir den Kreis“. Doch was geschieht danach? Laut einer Untersuchung der Changing Markets Foundation wurden 16 von 21 Artikeln vernichtet, in Lagerhallen zurückgelassen oder nach Afrika exportiert, wo sie auf Mülldeponien landeten oder in Öfen verbrannt wurden. Sie wurden auch auf den Gebrauchtwarenmarkt in der Ukraine gebracht, wo sie glücklicherweise in Secondhand-Läden landeten und gekauft wurden. Ein an H&M gespende Rock legte 24.800 km von London bis in eine abgelegene Gegend in Mali zurück. Ein langärmeliges Hemd, ebenfalls von der schwedischen Marke, legte 11.400 km zurück und landete schließlich auf einem Markt in Kinshasa, Demokratische Republik Kongo, wo es als Putzlappen verkauft oder in Öfen verbrannt wurde. Ein an eine C&A-Filiale in Belgien geliefertes Sweatshirt landete auf dem Markt von Nouakchott in Mauretanien, wo es nach Entfernung des Peilsenders spurlos verschwand und vermutlich im Elektronikhandel weiterverkauft wurde.

Dies ist letztlich weder Recycling noch Wiederverwendung. Es stellt vielmehr das Gegenteil von Nachhaltigkeit dar.

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