Alpine Biwaks waren in den 1950er- und 1960er-Jahren sehr beliebt, als die Berge im Sommer wie im Winter noch nicht überlaufen waren. Bergsteigen war damals eine relativ unpopuläre Disziplin, Kletterrouten waren rar, und man suchte nach hochgelegenen Stützpunkten. Alpine Biwaks sind kleine Notunterkünfte hoch in den Bergen, die Bergsteigern und Wanderern in Notlagen Schutz bieten sollen.
Es handelt sich hierbei nicht um offizielle Touristenunterkünfte, sondern um einfache, unbemannte Schutzräume , die kostenlos und jederzeit zugänglich sind. Auch die Inneneinrichtung ist sehr spartanisch: Etagenbetten mit Holzbrettern für 4 bis 12 Personen, Decken und keine Heizung. Die verwendeten Materialien sind natürlich, Stahl dient dazu, die kleinen Unterkünfte sturmsicherer zu machen.
Sie befinden sich üblicherweise in sehr abgelegenen oder hochgelegenen Gebieten (Grate, Gletscher, Felswände), entlang anspruchsvoller Bergsteigerrouten und dort, wo der Bau einer traditionellen Schutzhütte nicht möglich ist. Doch nun erleben alpine Biwaks eine Renaissance und erfüllen eine Funktion, die weit über die einfacher Notunterkünfte hinausgeht: Sie können zu einer der einfachsten und praktischsten Lösungen zur Reduzierung des Übertourismus in den Bergen werden.
Alpine Biwaks ermöglichen vor allem eine bessere Verteilung der Touristen und Bergsteiger in den Bergen: Dank ihrer einfachen, leicht auf- und abbaubaren Konstruktion lassen sie sich auch an schwer zugänglichen Orten problemlos errichten und sind somit auch für weniger erfahrene Bergsteiger zugänglich. Bergsteiger sind dadurch nicht mehr darauf beschränkt, bekannte und überfüllte Ziele aufzusuchen, sondern können ihre eigene, abgelegenere und langsamere Route wählen.
Zweitens wird das alpine Biwakieren nie mit kurzfristigen, hektischen Bergtouren in Verbindung gebracht und dient daher als Katalysator und Anreiz für natürlichere und authentischere Tage in großer Höhe, selbst in abgelegenen Gebieten. Bergsteiger, die ein alpines Biwak nutzen, verweilen tendenziell länger in großer Höhe, was die Berge entlastet und einen breiter gestreuten, weniger konzentrierten Tourismus fördert.
In großer Höhe kann ein Biwak als Zwischenstützpunkt dienen, wodurch der Aufstieg in mehrere Etappen unterteilt werden kann, was ihn auch für unerfahrene Bergsteiger zugänglich macht und erzwungene Konzentrationen (die sogenannten „Bergfallen“) vermeidet.
Tatsächlich stellen alpine Biwaks, obwohl sehr einfach und spartanisch ausgestattet, eine Alternative zu Berghütten und anderen, typischerweise überfüllten Bergunterkünften dar. Warum sollten sie nicht auch für diesen Zweck genutzt werden, gerade in einer Zeit, in der die Berge täglich von Überfüllung bedroht sind?
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